Interview mit Samuel Rohn

Im April haben wir ein Interview mit Samuel Rohn aus Dornach geführt. Er engagierte sich lange Zeit in der Pfarrei Arlesheim. Zurzeit leistet er Dienst in der Schweizergarde in Rom. Samuel erzählt uns von seiner Motivation, den Aufgaben als Gardist und dem Leben im Vatikanstaat.

 

Vor einem Jahr, am 6. Mai 2017 wurdest du als Schweizergardist vereidigt. Wie war dieser Moment für dich?

Mit Stolz blicke ich auf diesen Tag zurück. Wir Gardisten stellen uns manchmal die Frage “Ist die Vereidigung einer der schönsten Tag im Leben?” Eine schwierige Frage. Vermutlich sind die Hochzeit und Vater zu werden noch bedeutendere Ereignisse. Meiner Meinung nach kann man dies jedoch nicht bewerten. Ich denke oft zurück an den Tag der Vereidigung. Es war ein sehr spezieller Moment, vor all den versammelten Menschen die Fahne zu ergreifen und den Schwur abzulegen. Es war bestärkend, dieses Erlebnis mit meiner Familie und meinen Freunden zu teilen.

 

Wie sieht dein Alltag als Gardist aus?

Der Alltag als Schweizergardist ist sehr abwechslungsreich. Es gibt verschiedenste Dienste, an unterschiedlichen Orten (Haupteingänge zum Vatikanstaat, Apostolischer Palast, Domus Sanctae Marthae). Einige Dienste sind sehr interessant, je nach Umständen auch hektisch. Andere Dienste sind eher eintönig. Beim Wachestehen kann eine Stunde sehr lange werden. Manchmal hab ich das Gefühl, die Zeit verrinnt sehr langsam und manchmal vergeht sie sehr schnell. Doch wichtig ist mir, die Zeit gut zu nutzen. Auch wenn man einfach nur da steht und Wache hält, kann man etwas tun. Zum Beispiel beten oder über Gott und die Welt nachdenken. Beim Wache halten im Palast dürfen wir oft sitzen und somit auch lesen. Da wähle ich bewusst verschiedene Lektüre aus. Unsere Dienstzeiten sind sehr unterschiedlich. An manchen Orten haben wir einen 24-Stunden-Wachdienst. Das führt dazu, dass unser Tagesablauf stark zerteilt ist. Üblicherweise haben wir sechs Tage Dienst und danach drei Tage “Reserve”. In den Reservetagen haben wir auch Freizeit. Das ist wichtig, um  auch ein bisschen Distanz und Erholung zu bekommen. Dann gehe ich gerne wandern, im Sommer natürlich auch an den Strand oder ich unternehme einen Ausflug in eine andere Stadt. Aber die Reservetage sind nicht volle Freitage. Manchmal sind wir dann zum Ehrenpikett eingeteilt und sind so beim Empfang eines Staatsoberhauptes anwesend. Oft gibt es auch Ausbildungstage oder Geschwadertage, an denen wir zusammen einen Ausflug unternehmen. Nach einer gewissen Zeit ist es möglich, als Gardist einen speziellen Urlaub für drei reserve Tage zu beantragen. Wer denkt, Dienst leisten in der Schweizergarde sei ein „Schoggijob“ und sei immer nur schön, der täuscht sich sehr. Es ist manchmal ein sehr anstrengender und herausfordernder Dienst. Vielleicht noch ein Wort zum Essen. Polnische Ordensschwestern kochen für uns: Schweizerische und italienische Küche. Ich schätze in meinem Dienst als Gardist besonders den Teamgeist und die Kameradschaft. Das ist unglaublich schön und stark. Hier will dir niemand bös, auch wenn man mal verbessert oder korrigiert wird. Wo hat man schon so ein Arbeitsverhältnis?

 

Was konntest du in diesem Jahr in der Schweizergarde lernen?

Ich habe Italienisch gelernt. Diese Sprache konnte ich vorher gar nicht, inzwischen kann ich mich gut verständigen. Natürlich hört man meinen Schweizerakzent dabei noch. Dann wurde ich auch im Nahkampf ausgebildet sowie im Pistolen-Schiessen. Insgesamt habe ich viel über mich selber gelernt. Ich wurde ruhiger und geduldiger. Die Zeit, in der man Wache steht, braucht viel Geduld. Als Gardist muss man die Bereitschaft mitbringen, sich zu verändern. Ich würde sagen, es ist ein Dienst und zugleich eine Lebensschule. Eine Lebensschule, die einem nie mehr genommen werden kann, egal wo man dereinst arbeiten wird. Der menschliche Umgang wird mir später von grosser Hilfe sein.

 

Papst Franziskus ist ein eindrücklicher Mensch und immer wieder bereit für Überraschungen. Wie erlebst du unseren Papst?

Unser Papst erlebe ich als sehr menschennah. Als jemand, der die Nähe zu den Menschen sucht. Besonders an den Mittwochs-Audienzen ist das zu sehen. Die Begegnung mit den Menschen macht ihm Freude. Das Auftreten von Papst Franziskus wirkt einfach, ja er schätzt es, wenn nicht alles formell abläuft. Für viele Menschen ist er zu einem grossen Idol geworden und wird fast wie ein Superstar gefeiert. Man merkt, dass ihm das eigentlich nicht gefällt, er würde lieber darauf verzichten. Doch mit seiner Einfachheit fordert er die Menschen immer wieder auf, für ihn zu beten. Dadurch kommt eine Bodenständigkeit und Spiritualität in sein Amt hinein, was sehr berührend ist. Die Worte von Papst bewegen die Menschen. Er spricht Klartext, das finde ich sehr mutig. Er ist nicht jemand, der um den heissen Brei redet. Deutliche Aussagen scheinen ihm wichtig zu sein. Wir sehen jeden Tag Bischöfe, Präsidenten und Botschafter, die zu einer Privataudienz zum Papst kommen. Natürlich wissen wir nicht, was besprochen wird. Aber ich denke, da kann Franziskus viel bewirken – politisch, für den Frieden, für Vermittlung. Ich vermute, er redet auch bei solchen Anlässen nicht nur nette Worte, sondern spricht klar die Probleme der Welt an. Ich denke, in diesem Moment ist er Repräsentant für die Christenheit und gibt ihr eine Stimme in der Politik.

 

Du stellest dich als Schweizergardist für mehr als zwei Jahre in den Dienst für den Papst und die Kirche. Was ist deine Motivation dafür?

Meine Motivation für diesen Dienst ist breit gefächert. Ein Grund ist sicher, dass ich hier eine neue Sprache lernen kann. Italienisch fand ich schon immer eine schöne Sprache – meine Grossmutter spricht Italienisch. Ausserdem ist mir das Erleben der Kameradschaft sehr wichtig. Es ist eine weitere Herausforderung in meinem Leben, ein weiteres Mal, dass ich aus meiner Komfortzone herauskomme und etwas Neues wage. Es ist sicher auch ein Dienst an der Kirche. Auf seine Art ist es wie ein Gottesdienst. Schlussendlich setze ich mich für das Leben des Papstes ein. Ich sehe es als meine Art, wie ich der Kirche dienen kann. Man begegnet in diesem Dienst auch vielen Menschen, die noch kaum Kontakt mit der Kirche und dem katholischem Glauben hatten. Ich bin gefordert, Auskunft zu geben. Freundlichkeit ist wichtig bei dieser Aufgabe und damit kann man viel bewirken. Manchmal kann ich auf diesem Weg Auskunft und Zeugnis geben für unseren Glauben. Eine weitere Motivation war, dass ich nach dem Gymnasium noch nicht genau wusste, welches Studium ich beginnen möchte. Die Zeit hier in Rom gibt mir die Gelegenheit, um nochmals zu prüfen, wie es weitergehen soll. Es ist eine Zeit um Lebenserfahrungen zu sammeln. Die Stadt Rom ist ebenfalls etwas, das ich schätze: in einem anderen Land zu leben, eine andere Kultur und Geschichte kennen zu lernen. Das antike Rom ist extrem schön und faszinierend. Und auch Sport ist eine Motivation. Wir haben eine Fussballmannschaft, es gibt ein Fitnessraum, manchmal gehen wir zusammen Tennis spielen oder klettern. Ich gehe ausserdem oft und gerne joggen.

 

Wie sieht die Zukunft aus? Bleibst du für länger bei der Schweizergarde?

Nach den 26 Monaten Schweizergarde werde ich wieder zurückkehren in die Schweiz. Dann wird es erneut Zeit für eine Veränderung. Ich möchte gerne Studieren. Für den Abschluss hier in Rom habe ich mir eine spezielle Idee vorgenommen. Ich möchte nach meiner Zeit in der Garde von Rom aus zu Fuss nach Hause laufen. Auf der Via Francigena, dem selben Weg wie vor mehr als 500 Jahren die ersten Gardisten nach Rom kamen und so den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt bewusst gestalten.

April 2018, das Interview wurde geführt von Matthias Walther.

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