Kirche ist für mich ….

In einer Interviewreihe kommen wir mit Personen aus unseren beiden Pfarreien über ihre Erfahrungen und ihr Bild von Kirche und Pfarrei ins Gespräch. Unser zweites Interview durften wir mit Lena Vögtli aus Arlesheim führen. Herzlichen Dank.

Vor kurzem durftest du zusammen mit weiteren jungen Menschen die Firmung im Dom feiern. Was hat dich dazu beweget, die Firmung zu machen?
Meine Eltern liessen mich taufen und später habe ich auch die Erstkommunion gemacht. Somit war ich schon lange auf dem Weg in diese Religion hinein. Und so war es für mich bald klar, dass ich diesen Weg auch weiter gehen möchte. Wenn ich diesen Schritt – die Firmung – nicht gemacht hätte, wäre es wie eine Art Absage an die Kirche gewesen. Denn die Firmung ist ja wie ein Eintreten, wie eine Bestätigung, dass man dazu gehören möchte. Und ich finde, es ist eigentlich eine tolle Religion. Ich bin natürlich nicht mit allem vollkommen einverstanden, aber der grösste Teil gefällt mir. So habe ich mich entschieden, diesen Schritt, die Firmung zu machen.

Wenn du dich zurückerinnerst an den Firmgottesdienst, wie war dieser Moment für dich?
Ich fand es einen sehr schönen Moment. Wir konnten viel selber beitragen und mitgestalten. Es war wirklich unser eigener Gottesdienst. Das fühlte sich schon toll an. Und das Gefühl war schön, nun diesen wichtigen Schritt im Leben selber treffen zu dürfen. Es ist für mich wie ein erster Schritt ins Erwachsensein. Auch bereits der Firmweg war eine gute Zeit. Die Leitenden haben uns Kirche und Glauben schmackhaft gemacht. Zum Beispiel waren wir auf einer speziellen Stadtführung mit einem ehemaligen Obdachlosen. Das war ein völlig neuer Blick für mich. Die Kirche hilft mir, über manche Sachen neu nachzudenken.

Was bedeutet dir die Zugehörigkeit zu dieser Religion, zu dieser Kirche?
Ich gehe nicht wöchentlich zur Kirche. Aber es ist für mich ein Ort, an dem andere Werte zählen. Ein Ort wo man sich zurückziehen kann, an dem man zur Ruhe kommen kann. Hier steht nicht alles unter Stress und Druck. Es ist für mich schön, einen solchen Ort zu kennen und ab und zu dorthin zu gehen. Es ist eine Abwechslung zum Alltag. Und ich finde die Gemeinschaft ist bestärkend.

Du hast gesagt, dass du dich entschieden hast für diesen Schritt in die Kirche. Immer mehr Menschen wenden sich aber von der Kirche ab. Warum hast du gesagt, ich bleibe dabei und ich gehe diesen Weg?
Ich erlebe, dass heute viele Menschen oft gestresst sind. Auch ich bin sehr oft unterwegs und kenne diesen Stress – Schule, Musik und Sport. Dann ist es gut zu wissen, es gibt da noch einen Ort, wo ich immer hingehen kann. Es ist wie ein Gegenpol zum Alltag. Ich finde es wichtig, dass man so etwas hat, einen ruhigen Platz und Gemeinschaft.

Muss sich die Kirche deiner Meinung nach verändern?
Ich weiss nicht, ob sie sich verändern muss. Viele junge Menschen denken vielleicht, dass Kirche nur etwas für ältere Menschen ist. Vielleicht wäre deshalb für die Zukunft hilfreich, dass die Kirche noch mehr der jüngeren Generation entgegenkommt. Ich finde aber eigentlich nicht, dass sich die Kirche gross verändern muss. Vieles ist auch Geschichte und das kann man ja nicht einfach verändern. Es braucht weiterhin eine Kirche in unserer Gesellschaft. Auch wenn jetzt gerade nicht so viele junge Menschen aktiv in der Kirche sind. Das Bedürfnis nach Religion und Kirche ist weiterhin vorhanden. Vermutlich werden Menschen in Zukunft Kirche wieder vermehrt als Rückzugsort und als Gegenpol zu einer hektischen Gesellschaft erkennen.

Wie hast du Zugang zur Kirche in deinem Leben gefunden?
Sicher erst einmal durch meine Eltern. Sie haben uns diese Tradition weitergegeben, haben uns in die Kirche mitgenommen. Später habe ich dann begonnen zu Ministrieren. So wurde für mich Kirche einfach ein wenig Normalität in meinem Leben.

Wenn du dich zurückerinnerst an früher, was sind deine ersten Erinnerungen an die Kirche?
Eines der ersten Erlebnisse, an das ich mich erinnern kann, ist der Kinderkreuzweg. Wir waren draussen unterwegs. Es war schönes Wetter und es wurde viel über das Leben von Jesus erzählt. Auch an das Palmbinden kann ich mich noch gut erinnern. Das sind gute Erinnerungen. Und auch an den Religionsunterricht: Das war ziemlich cool, wir hörten spannende Geschichten und haben oft gesungen.

 

6. Juni 2018