Klein und wehrlos bis du, Grosser Gott!

Wer viel ertragen musste im Leben, oder sich oft mit der ruppigen Seite des Lebens begnügen musste, mag sich mal gefragt haben, ob Gott ihm oder ihr noch nahe sei. Das Weihnachtsgeschehen verabschiedet die Vorstellung eines fernen, unnahbaren, apathischen Gottesbildes, und zwar endgültig.  Und das ist längst noch nicht alles! Weihnachten erschöpft sich nicht nur darin, dass Gott einer von uns wird, (“Und das Wort ward Fleisch und hat unter uns gewohnt…”Joh 1,14). Indem er als Kind geboren wird, macht sich der starke Gott klein, verwundbar, wehrlos, hilflos! Es ist eine vorhin unerhörte und unvorstellbare Botschaft! Die Fragilität des Kindseins, die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens überhaupt, sowie die Verletzungen des Menschen teilt er. Gott lässt sich auf uns Menschen ein, auf unsere Sorgen und Ängste, unser Hoffen und Bangen. Und dadurch setzt er sich ganz bewusst der möglichen Unmenschlichkeit aus! Er ist ein Gott, der sich in Mitleidenschaft ziehen lässt.

“Klein bist du,
großer Gott;
wehrlos bist du,
starker Gott,
im Kind in der Krippe.”

Welch ein Paradox!  Um uns Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, um uns jegliche Angst vor ihm wegzunehmen, kniet Gott sich nieder, macht sich klein! Was für ein ungeheures Sich-Solidarisieren mit dem Menschsein! Ab jetzt und für ewig hat er nur noch den Namen I m m a n u e l, Gott-mit-uns! Daher vermag das Weihnachtsgeschehen in uns eine unbeschreibbar echte Freude hervorzurufen, und bringt uns zum Staunen: Weihnachten ist das Fest schlechthin, worin wir Menschen verspüren dürfen und können, dass dieser grossartige Gott mitten in unser eigenes Leben hineintrifft, und uns befähigt, einander auf Augenhöhe zu begegnen. Allein die Geschenke, die wir einander machen aus dieser geistigen Haltung heraus, können das Herz des anderen anrühren. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein friedvolles, freudiges Weihnachtsfest. Und fürs Neujahr 2019, Gottes unüberbietbare Nähe und Begleitung.

Pfr. Sylvester Ihuoma