“Wir sind viele” – Gebetswoche für die Einheit der Christen

Seit einiger Zeit macht der Slogan «Wir sind viele» in den sozialen Medien die Runde. Anlass dafür ist unter anderen das Auftreten radikaler Gruppierungen in Politik und Öffentlichkeit. Das Schlagwort «Wir sind viele» bringt zum Ausdruck: Es gibt sie, die Menschen, die sich gegen das Schüren von Ängsten und die Verbreitung von Hass zur Wehr setzen und sich für Menschenwürde und Gerechtigkeit für alle einsetzen. Tag um Tag hören wir in den Nachrichten wie das Recht mit Füssen getreten wird, wie Mächtige nach dem Motto handeln: Der Starke ist immer im Recht. Auch im kleinen Kreis von Familie und Berufsalltag empfinden wir manches als ungerecht. Viele Menschen, die Unrecht erleiden, haben nie eine Chance, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt, weil sie keinen Einfluss haben, weil sie mundtot gemacht werden oder weil das Unrecht verborgen bleibt. Es wäre schier zum Verzweifeln, hätten wir nicht die Hoffnung auf einen Gott, der für Gerechtigkeit sorgt, der die Wahrheit ans Licht bringt und den Unterdrückten zu ihrem Recht verhilft. Und sei es am Ende – beim «jüngsten Gericht». Die Bibel erzählt von diesem Gott auf Schritt und Tritt. Und sie ruft den Menschen zu: «Gerechtigkeit, Gerechtigkeit – ihr sollst du nachjagen» (Deuteronomium 16,20a). Unter diesem Bibelwort steht die diesjährige Gebetswoche für die Einheit der Christen. Was Christinnen und Christen weltweit eint, ist der Glaube an den Gott der Bibel und seine Gerechtigkeit, ein Glaube, der sich zeigt in einem unerschrockenen Einsatz für jene, die in ungerechten Verhältnissen leben, sei es in Familien und Gemeinschaften, in der Arbeitswelt oder in politischen, wirtschaftlichen und kirchlichen (!) Systemen. Die Einheitswoche macht uns bewusst: Wir – Christgläubige und alle, die an Gerechtigkeit glauben – wir sind mehr als wir denken, «wir sind viele». Das Thema der Einheitswoche wird bestimmt von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK). Mehr Informationen
dazu: www.agck.ch.

Josef-Anton Willa, Pastoralassistent

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