Auffahrt und Wallfahrt – Zeit für Rückblick und Ausblick

In dieser Woche feiern wir Auffahrt. Während 40 Tagen nach seiner Auferstehung zeigte sich Jesus immer wieder seinen Jüngern und versicherte, dass nach ihm ein anderer ihnen zur Seite stehen würde, und sprach vom Reich Gottes.

In der Schweiz ist Auffahrt ein Feiertag. An manchen Orten wird der Tag besonders gefeiert. An meinem früheren Wohnort im Kanton Luzern gibt es normalerweise eine grosse Prozession zu Fuss oder zu Pferde. Vor jedem Haus, wo ein Altar aufgestellt wird, hält der Zug an. Der Pfarrer läutet die Glocke, die er mitführt, und die Gläubigen sprechen ein Gebet. Es war immer ein erhebendes Gefühl, wenn die Gruppe vor unserem Haus anhielt und uns mit dem gemeinsamen Gebet segnete.

In unserer Seelsorgeeinheit findet an einem Sonntag vor oder nach Auffahrt die Wallfahrt nach Mariastein statt. Am Sonntagmorgen früh starten wir entweder von Münchenstein oder Arlesheim aus zu Fuss, per Fahrrad, mit den öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln In Richtung Mariastein. Unterwegs sinnieren wir über Gedanken, welche uns von den jeweiligen Begleitungen vorgeschlagen werden. Wir beten und schweigen.

Für mich ist die Wallfahrt jeweils eine willkommene Gelegenheit auf das vergangene Jahr zurückzublicken, mir zu überlegen, was gut und was schlecht gelaufen ist, was ich in Zukunft anders angehen möchte und vor allem auch, wofür ich dankbar bin.

In diesem aussergewöhnlichen Jahr können wir uns nicht zusammen Gottesdienste feiern und uns auf die Wallfahrt machen. Das Corona-Virus zwingt uns zum Schutz von uns und unseren Mitmenschen daheim zu bleiben und uns nicht in grossen Gruppen zu treffen. Und doch können wir im Geiste zusammen sein. Die Bettagsglocke ruft zum gemeinsamen Gebet und auch die Kerze, die wir am Donnerstagabend anzünden. Inspirationen dafür bietet die Pfingstnovene, welche in 9 Karten Gedanken von Auffahrt bis Pfingsten vorschlagen. Die Karten können bei den Pfarrämtern oder in den Kirchen bezogen werden.

Gerne halte ich mich bei meinen Überlegungen auch gern an Bruder Klaus (1417-1487)

“Mein Herr und mein Gott
Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich führet zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.”

Amen

Eveline Beroud, Sozialarbeiterin BSc HSLU

18. Mai 2020