Busse und Versöhnung

Schuld ist eines der grossen Themen der Menschheit. Als Menschen teilen wir alle die Erfahrung, dass wir schuldig werden. Ebenso kennen wir wohl alle den Drang, Schuld zu verdrängen oder von uns zu weisen: „Ich war das nicht.“ „Die Anderen machen das ja auch.“ Vielfältig sind unsere Ausreden, mit denen wir uns vor anderen in ein besseres Licht stellen wollen, mit denen wir aber vergebens versuchen, unser eigenes Gewissen zu beruhigen. Eine Ausrede führt zur anderen, und schnell verstricken wir uns in ein komplexes System von Halbwahrheiten und Lügen. Der einzige Ausweg daraus ist die Wahrheit: den Mut zu haben, dem Geschehenen offen in die Augen zu schauen, Schuld einzugestehen und damit die Möglichkeit zu schaffen, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und neu anzufangen. Gott lädt uns ein, wahr zu werden. Bei Gott können wir unsere Masken fallen lassen im Wissen, dass er uns bedingungslos liebt. Wir bleiben nicht vor allen Konsequenzen unseres Tuns bewahrt, aber Gott gibt uns die Zusage, dass er in allem an unserer Seite steht und uns eine neue Zukunft ermöglicht. Schuld einzugestehen, ehrlich zum eigenen Tun zu stehen muss gelernt werden. Das ist nicht einfach. Aber wenn wir es nicht mit den kleinen Unwahrheiten und Fehlern in unserem Leben üben, wie sollen wir denn auf gesellschaftlicher Ebene lernen, Schuld einzugestehen, einen Punkt zu machen und neu anzufangen? In unserer Seelsorgeeinheit thematisieren wir Schuld und Vergebung im Religionsunterricht im vierten Schuljahr. In beiden Pfarreien gestalten wir einen Versöhnungsweg, den die Kinder einzeln oder zusammen mit einer Vertrauensperson gehen. Sie sollen lernen, ihr eigenes Leben mit ihren Stärken und Schwächen zu reflektieren, Vergebung anzunehmen und Vergebung anderen gegenüber zu gewähren.

Daniel Meier