Dankbar für die Ernte

Ich fahre fast jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Meist führt der Radweg über Land an Gärten und Wiesen vorbei. Auf der Fahrt durfte ich mich in den letzten Tagen und Wochen an den reifen Früchten und den farbenprächtigen Blumen erfreuen. Wer seine Sinne öffnet für die Schönheit der Schöpfung kommt voll auf seine Kosten.

Ich bin dankbar für all das, was wachsen darf, was uns nährt und erfreut.

Die Zeit auf dem Rad gibt Raum zum Nachdenken. Und ich habe mich gefragt, was kann ich eigentlich vorweisen an „Früchten meiner Arbeit“? Was ist meine persönliche Ernte? Wofür habe ich gearbeitet sowohl im Beruf wie auch im Privaten? So wird die Zeit auf dem Rad durch die erntereife Natur zu einer Meditation über meine ganz persönlichen Früchte. Es tut gut Rückschau zu halten und sich bewusst zu werden, wo Ernte eingefahren werden kann und wo ich mich vielleicht noch mehr anstrengen muss. Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang auch die Frage, was und wo soll ich neu aussäen. Wo gibt es Boden, der meine Saat aufgehen lässt? Wo ist der Boden staubig? Dort ist es besser den Staub von den Füssen zu schütteln und weiter zu gehen.

Immer wieder hebe ich auf dem Weg auch den Blick zu den Bäumen. Sie verfärben sich schon. In wenigen Wochen werden sie kahl sein. Ich freue mich am Heute, an den prallen Farben, die Blätter, die sich wandeln. Und es wird mir wieder ganz deutlich bewusst: Alles ist der Vergänglichkeit anheim gestellt. Heute leben – heute danken: Erntedank!

Sibylle Hardegger, Pfarreiseelsorgerin