Eine Kirche für die Menschen

“Die Kirche muss immer wieder erneuert werden.” Diese bereits dem Hl. Augustinus zugeschriebene Aussage nehmen sich die Katholikinnen und Katholiken in Münchenstein derzeit zu Herzen, wenn Sie ihre Pfarrkirche einer umfassenden Renovation unterziehen. Doch selbstverständlich ist bei dieser Aussage nicht in erster Linie die Kirche als Gebäude gemeint. Im Wort “Kirche” steckt das griechische “Kyrios”, was “Herr” bedeutet und sich auf Christus bezieht. Kirche wird von jenen Menschen gebildet, die zu Christus gehören. Doch wozu sollte sich die Kirche immer wieder verändern und erneuern? Muss sie nicht im Gegenteil so bleiben, wie sie immer war, ein Fels in der Brandung der Zeiten?

Das Dokument des Zweiten Vatikanischen Konzils mit dem Titel “Über die Kirche in der Welt von heute” beginnt mit dem Satz: “Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.” Dieser Satz ist Programm für die Kirche. Sie ist nämlich nicht für sich selber da, sondern ihre Aufgabe ist es, bei den “Menschen von heute” zu sein, mit ihnen zu gehen, ein offenes Ohr und Herz für sie zu haben.

Diese Aufgabe hat jeder Christ und jede Christin, dort wo er und sie lebt. Als Kirche können wir nur mit den Menschen von heute sein, wenn wir uns bewegen – auf die Menschen zu, und durch sie auf Gott zu. Es gehört also zum Wesen der Kirche, dass sie sich verändert, sonst kann sie ihre Aufgabe nicht erfüllen. Aussagen wie “Das war schon immer so” oder “Das geht bei uns nicht”, sollten wir aus dem kirchlichen Vokabular streichen und stattdessen mutig neue Wege gehen, nicht überhastet, aber Schritt für Schritt.

Ein Kirchengebäude mitten im Dorf ist ein Zeichen dieser Präsenz von Kirche am Ort, bei den Menschen. Wenn nun das Kirchengebäude Münchenstein aussen und innen erneuert wird, so möge es uns Ansporn sein, dass auch wir uns als Gemeinschaft und als einzelne Christinnen und Christen immer wieder erneuern und beweglich bleiben.

Josef-Anton Willa

 

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