Gebetswoche für die Einheit der Christen

Im Sommer besuchte ich für zwei Tage die Lutherstadt Wittenberg. Nach dem 500 Jahr-Jubiläum der Reformation präsentierte sich die Stadt herausgeputzt und schön renoviert. Am meisten beeindruckte mich das Wohnhaus Martin Luthers im ehemaligen Augustinerkloster, dem er als Mönch angehört hatte. Auf verschiedenen Texttafeln wird darin die Geschichte Luthers als Reformator erzählt. Eine Tafel berichtet davon, wie Luther am 17. April 1521 vor Kaiser Karl V. und den deutschen Rechtsständen in Worms seine Schriften widerlegen sollte.

Nachdem er sich einen Tag Bedenkzeit ausbedungen hatte, erklärte er schliesslich: «Da mein Gewissen in den Worten Gottes gefangen ist, kann und will ich nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir. Amen.» Er wurde daraufhin offiziell von der Kirche exkommuniziert. Mir wurde bewusst, wie schnell wir Glaubensansichten, die wir persönlich oder mit Gleichgesinnten für richtig erachten, verallgemeinern und wie schnell wir damit andere ausschliessen. Schon nur in meinem eignen Freundeskreis weiss ich um so viele verschiedene Ausdrucksformen, wie Menschen ihren Glauben an den Schöpfergott, der in Jesus Mensch geworden ist, leben und feiern.

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen möchte uns auffordern, über die Grenzen von konfessionellen und persönlichen Ansichten hinaus zu schauen. Wir sollen vorurteilslos anderen zuhören, wenn sie von ihrem Glauben sprechen. Es ist nicht das Ziel, Konfessionen zu vermischen oder gar aufzulösen. Aber wir sollen erkennen, dass wir Gott umso mehr ehren, je respektvoller und liebevoller wir mit anderen Glaubensgeschwistern umgehen.

Papst Johannes Paul II. hat einmal gesagt: «Wenn Christen miteinander beten, erscheint das Ziel der Einheit näher. Es hat den Anschein, als würde die lange Geschichte die durch mannigfache Zersplitterung gezeichneten Christen wieder zusammengefügt, wenn sie nach jener Quelle ihrer Einheit strebt, die Christus ist.»

Daniel Meier