Im Gespräch mit Pastoralraumleiter Felix Terrier

Wenn du auf das erste halbe Jahr Pastoralraum Birstal zurückblickst, was ist bisher geschehen?
Konkret sind zwei Sachen gelaufen. Erstens haben sich die Firmverantwortlichen der vier Seelsorgeeinheiten untereinander vernetzt und ihre Konzepte ausgetauscht. Sie haben sich für einen gemeinsamen Start der Firmvorbereitungen entscheiden. So soll der Firmweg aller vier Seelsorgeinheiten mit einem gemeinsamen Gottesdienst im Dom Arlesheim beginnen. Diese Idee kam von ihnen. Es ist schön zu sehen, dass solche Vernetzungen nun wie von selber geschehen. Zweitens ist eine Erwachsenenbildungsgruppe entstanden. Sie überlegen sich, welche Angebote gemeinsam organisiert werden könnten und ob man sie auch an einem zentralen Ort anbieten könnte. Dazu kommt das Kloster Dornach: Da hat es einen Input aus dem Pastoralraum in Fragen der Spiritualität gegeben. Auch hier liessen sich Menschen neu vernetzen. So entstand das Projekt «Offenes Ohr». Es werden nun regelmässig Seelsorgegespräche angeboten. Seelsorgende aus dem ganzen Pastoralraum stellen sich jeweils am Mittwoch von 17 bis 18 Uhr für ein Gespräch in der Klosterkirche zur Verfügung. Man sieht, dass sich schon einiges entwickelt hat. Es ist ja noch nicht einmal ein halbes Jahr seit der Errichtung des Pastoralraums. Ganz grundlegend wurde der Wille spürbar und sichtbar: Wir sind miteinander auf dem Weg.

Woran merken die Mitglieder unserer Pfarreien, dass es den Pastoralraum Birstal gibt?
Die meisten werden wohl noch kaum viel merken. Zum einen entsteht da nun das Angebot «Offenes Ohr». Die anderen Sachen sind Zusammenarbeiten, die dann erst in einer zweiten oder dritten Phase eine Wirksamkeit nach Aussen zeigen werden. Auf der anderen Seite hängt es vor allem von den Seelsorgeeinheiten ab, wie sehr dort der Pastoralraum ein Thema ist oder nicht. Bei uns im Seelsorgeverband Angenstein nehmen wir zum Beispiel das Anliegen des Pastoralraums auch immer wieder ins Fürbittgebet auf. Zur Zeit sind es also noch kleine Sachen, die jetzt schon sichtbar sind. Es war aber auch nicht der Anspruch, dass gleich am Tag nach der Errichtung schon alles anders ist.

Was war bisher Dein schönstes Erlebnis als Pastoralraumleiter?
Ich möchte nicht Prioritäten setzten. Ich nenne drei Punkte: Das Eine war der Errichtungsgottesdienst. Ich hatte den Eindruck, dass die Verbindungen auf der Ebene zu den Mitarbeitenden gut zum Tragen kamen. Hier hat eine erste Begegnung stattgefunden, die hoffnungsvoll ist. Weitere erfreuliche Momente sind, wenn ich von Menschen aus verschiedenen Pfarreien auf den Pastoralraum angesprochen werde. Das heisst, dass das Projekt nicht nur auf der Ebene der Mitarbeitenden angekommen ist. Das Projekt hat Interesse in weiteren Kreisen geweckt. Das freut mich sehr. Eine grosse Freude war auch, dass ich zu unserem Konzept, welches Basis für das Zusammenarbeiten sein soll, viele positive Rückmeldungen erhalten habe – von innerhalb und von ausserhalb des Pastoralraumes.

Gab es auch einen Moment, wo du dich geärgert hast?
(lacht) Vor allem in der Planungsphase gab es Momente, in denen ich mich geärgert habe. Aber diese Momente sind vorbei. Die Etappen und Auseinandersetzungen auf diesem Weg waren letztlich in sich fruchtbar.

Alt Abt Martin Werlen hat diese Woche ein neues Buch vorgestellt. Er sagt darin, dass es fünf nach zwölf in der Kirche sei und mahnt, dass sich die Kirche von veralteten Strukturen lösen muss. Sind wir da mit den Pastoralräumen auf dem richtigen Weg?
Ich kann das nicht im Plural beantworten. Ich denke aber, wir sind in unserem Pastoralraum auf dem richtigen Weg. Wir haben in unserem Konzept die Grundlagen für Veränderungen gelegt. Aber effektiv ist es natürlich so, dass es nach wie vor erhebliche Strukturschwierigkeiten gibt, von denen man sich lösen muss. Ich denke, es gelingt besser, wenn wir dies miteinander tun, als wenn wir das als Einzelgefechte in jeder Pfarrei austragen. Die Seelsorgeteams und Räte können sich gegenseitig unterstützen. Wenn wir miteinander verbunden sind, bietet dies die Möglichkeit, dass die Loslösung von veralteten Strukturen lokal nicht überall anders geschieht. Miteinander diese Schritte angehen bedeutet, dass wir ein anderes Bild von Kirche vermitteln können. Die Menschen werden Kirche anders und stärker erleben können, und das tut der Verkündigung der Botschaft sicher gut.
Das ist ein Prozess, es ist nicht etwas, das jetzt einfach schon da ist, nur weil wir den Pastoralraum haben. Der Pastoralraum bietet den Rahmen. Wir müssen uns bewusst bleiben: Der Pastoralraum ist ein gemeinsamer Prozess, auf den wir uns einlassen müssen. Wenn ich gedanklich und emotional bei dem stehen bleibe, was im letzten Jahrhundert für die Kirche richtig war, und das retten möchte, ohne das zu berücksichtigen, was für die Menschen und den Glauben heute wichtig sein könnte, dann nützt auch der Pastoralraum nichts.

Welches sind die grössten Aufgaben, die im Pastoralraum Birstal anstehen?
Die konkreten Ziele, die wir in den ersten zwei Jahren erreichen wollen, stehen in Pastoralraumkonzept. Wesentlich ist, dass wir Freiheit für Neues erlangen. Es soll nicht einfach das Alte in neuen Strukturen weitergeführt werden, sondern wir sollen uns und der Kirche eine Chance geben für eine Zukunft, in dem wir uns öffnen für die Notwendigkeiten, die den Menschen von heute wichtig sind. Das ist einer der wesentlichsten Prozesse, den wir durchlaufen müssen. Das ist aber sehr schwierig, denn wir sind voll beschäftigt mit dem Bewältigen des Alltags und dem Verwalten von allem, was schon da ist. Sich von Bisherigem zu verabschieden, ist ein schmerzlicher Prozess. Die grosse Herausforderung besteht darin, sich auf diesen Prozess einzulassen. Es ist natürlich immer einfacher, das zu verwalten, was schon vorhanden ist. Die Erfahrung der Kirche hat gezeigt, dass immer das Bestehende verwaltet wurde, bis es nicht mehr ging, und dann musste man sowieso etwas Neues entwickeln. Jetzt sind wir in der Situation, und da stimme ich Alt Abt Martin Werlen zu, dass wir nicht nur reden und Visionen entwickeln sollen. Sondern wir müssen endlich damit beginnen, die Visionen in Taten umzusetzen.

Wie können sich die Pfarreimitglieder konkret im Pastoralraum engagieren, sich einbringen?
Wichtig ist für den Moment, dass man sich interessiert, was auf Ebene Pastoralraum läuft. Dabei gibt es durchaus eine wichtige Aufgabe für die Pfarreimitglieder, nämlich dass sie bei ihren Seelsorgeteams und ihren Pfarreiräten immer wieder einfordern, dass sie informiert werden, welche Ziele des Pastoralraums tatsächlich umgesetzt werden. Sie sollen uns anstossen, damit wir nicht bei schönen Worten bleiben. Das ist eine wichtige Aufgabe. Ich erlebe in meinem Umfeld, wie sich Menschen durch ihr Nachfragen positiv und zu Recht kritisch einbringen. Für einzelne Ziele wird es da und dort sicher auch Arbeitsgruppen geben, wo man sich konstruktiv und kritisch einbringen kann. Ich erachte es aber auch als ganz wichtigen Beitrag, dass dieser Prozess im Gebet begleitet wird. Dass wir alle Gott darum bitten, dass es gelingen möge, dass Aufbrüche und Wandlungen geschehen werden. Aus Wandlung kann Hoffnungsvolles entstehen. Diese Aufgabe können wir nicht delegieren. Das ist die Aufgabe von uns allen, die Teil dieser Kirche sind.

Der Pastoralraum geht auf das Grundkonzept Pastoraler Entwicklungsplan (PEP) des Bistums Basel zurück. Ein wichtiges Schlagwort draus lautet: «Den Glauben ins Spiel bringen.» Hast du das Gefühl, wir haben als Pastoralraum, als Pfarreien, überhaupt noch die Kraft, diesen Glauben ins Spiel zu bringen?
Davon bin ich überzeugt! Wir haben ganz viele Menschen in unseren Pfarreien, Kinder, Jugendliche, Frauen, Männer, Junge und Alte, denen der Glaube und diese Botschaft wichtig ist, denen die Gemeinschaft der Kirche wichtig ist und die eine Kraft haben, den Glauben in ihrem Leben und in ihrem Umfeld ins Spiel zu bringen. Die Aufgabe von uns Seelsorgenden ist es, diese Menschen zu bestärken, ihnen Mut zu machen, es tatsächlich zu tun, und ihnen Hilfestellungen zu geben, dass es passieren kann. Ich glaube, wir haben die Kraft noch, aber wir müssen sie neu wecken und freigeben. Eine unserer Hauptaufgaben ist, so steht es auch im Konzept, die Menschen dieser Kirche zu ermächtigen und in ihnen die Phantasie zu wecken, damit sie ihren Glauben in ihrem Leben und in ihrem Lebensumfeld ins Spiel bringen können. Die Zeit, in der wir leben, braucht Mut, Visionen und Taten. Wir können uns in der Kirche nicht einfach zurücklehnen, wir können nicht alles tun, wie wir es immer getan haben. Wir stehen in einem neuen Aufbruch. Und da gehört es auch dazu, sich selber kritisch zu betrachten, Veränderungen zuzulassen. Das ist eine grosse Herausforderung für mich als Glaubender und als Mitarbeiter in der Kirche. Deshalb bitten wir ja Gott immer wieder in unserem gemeinsamen Feiern, dass Wandlung geschehe! Das ist doch die Hoffnung unseres Glaubens, dass wir dazu genährt und bestärkt werden.

Herzlichen Dank für das Gespräch. 

Matthias Walther, 14.2.2018

Flyer Pastoralraum Birstal