“Kehrt um und glaubt an das Evangelium”

Diesen Aufruf hören wir am Aschermittwoch, wenn auf unsere Stirn das Aschenkreuz gezeichnet wird.

Mit Umkehr ist die Hinwendung zu Gott gemeint, die Besinnung auf Christus, das Evangelium Gottes. Meine Beziehung zu diesem Gott steht also im Fokus, sowohl im Denken als auch im Handeln. Und eine Frage wird unweigerlich zu beantworten sein: Inwieweit bin ich noch Ohr für Gott, für seine Schöpfung, für das Wesentliche im Leben?

Hierbei hilft uns die Geschichte der Begegnung zwischen einem Indianer und seinem weissen Freund, erzählt vom Schriftsteller Frederik Hetmann. Mitten im Lärm der Stadt vermag der Indianer das Zirpen einer Grille zu hören, nicht aber sein Freund. Dieser hört hingegen – wie die vielen Weissen um ihn herum – das Geräusch einer auf den Boden geworfenen 50-Cent Münze! Auf die Frage nach dem Warum, gibt der Indianer folgende Antwort: Nicht, weil Indianer ein besseres Gehör besitzen als Weisse, sondern weil «wir alle stets das gut hören, worauf wir zu achten gewohnt sind».

Ihnen, liebe Pfarreiangehörige unserer Seelsorgeeinheit, möchte ich zwei Vorschläge machen für eine fruchtbare Fastenzeit: Zum einen mute ich Ihnen zu, in der österlichen Busszeit ohne jegliche Berührungsangst und Scheu in einen lebendigen Dialog mit der Passionsgeschichte einzutreten, um sich mit der eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen. Denn Christsein bedeutet Zugehörigkeit zu einer Schicksalsgemeinschaft. Unsere Gottesbeziehung könnte davon viel profitieren.

Zum anderen: Ostern ist die Feier der versöhnten Menschheit mit Gott durch Jesus Christus, und die österliche Busszeit eine uns geschenkte Zeit, den Versöhnungsweg zu beschreiten. So kann ich – mit Gottes Hilfe und durch eigenes Zutun – wieder zu einem versöhnten Ich finden, das über die eigene Welt hinaus zu gehen wagt. So kann ich die unendliche Weite, die Gott mir im Ostergeschehnis schenkt, neu entdecken.

Als Schicksalsgemeinschaft wollen wir besondere Akzente in unserer Seelsorgeeinheit setzen. An einigen Freitagabenden gibt es zum Beispiel Fastenpredigten und Andachten von auswärtigen Theologinnen und Theologen. Diese und weitere Angebote geben uns die Gelegenheit, uns in dieser geprägten österlichen Busszeit intensiver zu sammeln. Wir hoffen auf eine gute Teilnahme.

Pfarrer Sylvester Ihuoma