Monatslied: Komm in unsre stolze Welt (KG 592)

“Ein gutes Lied wächst und wächst mit dem Singen.” Der Ausspruch des Cherokee-Indianers Norman Russell lässt sich auf das Monatslied übertragen, das wir ihm Hinblick auf die Wallfahrt nach Mariastein in diesen Wochen einüben. Beim ersten Hören klingt das Lied sperrig, doch in der Wiederholung entfaltet es seine Qualitäten. Auch wer die Melodie noch nicht im Ohr hat, ist eingeladen, den Text zu betrachten. Das Lied findet sich im Kirchengesangbuch bei Nr. 592; man kann es sich im Internet anhören.

Jede Strophe beginnt mit dem Ruf “Komm” – wie viele Advents- und Pfingstlieder. Der Ruf bringt die Sehnsucht zum Ausdruck nach Frieden, nach dem Kommen Jesu und seines Geistes. Die Strophen bilden fünf konzentrische Kreise: Jesus soll kommen in unsere Welt, in unser Land, in unsere Stadt, in unser Haus und in unser Herz.

Die Realität, mit der wir täglich konfrontiert sind, wird ungeschönt beschrieben: die stolze Welt, das reiche Land, die laute Stadt, das feste Haus, das dunkle Herz. Doch dem steht das Handeln Jesu gegenüber: Er wirbt mit seiner Liebe (1. Str.), liebt besonders die Armen und Schwachen ( 2. Str.) und schafft “Rettung dem, der hungern muss” (2. Str.); er führt uns auf den Weg des Friedens (1. Str.) und deckt uns unterwegs mit einem leichten Zelt für die Nacht (4. Str.); er ist die Fülle des Lichtes (5. Str.) und steht schweigend in unserer Mitte (3. Str.) mit seiner Wahrheit, die “Menschenleben herrlich macht” (5. Str.).

Das Lied fordert heraus, textlich und musikalisch. Es weckt uns aus Trägheit und Bequemlichkeit und lenkt den Blick auf die Freiheit der Kinder Gottes. Machen wir uns auf den Weg.

Josef-Anton Willa

 

Liedtext:

1. Komm in unsre stolze Welt,

Herr, mit deiner Liebe Werben.

Überwinde Macht und Geld,

lass die Völker nicht verderben

Wende Hass und Feindessinn

auf den Weg des Friedens hin.

 

2. Komm in unser reiches Land,

der du Arme liebst und Schwache,

dass von Geiz und Unverstand

unser Menschenherz erwache.

Schaff aus unserm Überfluss

Rettung dem, der hungern muss.

 

3. Komm in unsre laute Stadt,

Herr, mit deines Schweigens Mitte,

dass, wer keinen Mut mehr hat,

sich von dir die Kraft erbitte

für den Weg durch Lärm und Streit

hin zu deiner Ewigkeit.

 

4. Komm in unser festes Haus,

der du nackt und ungeborgen.

Mach ein leichtes Zelt daraus,

das uns deckt kaum bis zum Morgen;

denn wer sicher wohnt, vergisst,

dass er auf dem Weg noch ist.

 

5. Komm in unser dunkles Herz,

Herr, mit deines Lichtes Fülle;

dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz

deine Wahrheit uns verhülle,

die auch noch in tiefer Nacht

Menschenleben herrlich macht.