Einsatz im Flüchtlingscamp Malakasa (Griechenland)

Vom 25. Februar bis 4. März waren wir als 10-köpfige Gruppe unterwegs in Griechenland für unseren Hilfseinsatz als Volontäre im Flüchtlingscamp von Malakasa. Unsere Jüngsten waren gerade mal 16 Jahre alt! Organisiert war unser ganzer Einsatz vor Ort durch die christliche Organisation Remar. Zu unseren Aufgaben gehörten v.a. das Zubereiten und Austeilen von Tee, Suppe und Biscuits, sowie das Herausgeben von Pampers und Kleidung an die Flüchtlinge. Ein anderer Aufgabenbereich war die Beschäftigung der Kinder. Und: Kleider sortieren, aufräumen, abwaschen, putzen… Ausserdem waren wir auch mehrmals bei den Drogensüchtigen in einem Park von Athen, wo wir versucht haben, einfach ein bisschen Menschlichkeit zu verbreiten. Es war für uns alle eine sehr eindrückliche Woche und wir können viel mitnehmen in unseren Alltag. Vieles war ganz anders als wir es uns vorgestellt haben (z.B. ist die afghanische Mentalität für uns Schweizer/Innen nicht immer ganz einfach zu verstehen). Wir konnten die Welt in dieser Woche nicht verändern – unser Einsatz war nur ein ganz kleiner Tropfen auf den heissen Stein. Aber wer weiss, was aus vielen solchen Tropfen einmal werden kann?! Für alle gab es viele schöne, aber auch immer wieder mal schwierige Momente. Dies hat uns auch als Gruppe zusammengeschweisst und wir sind einen intensiven Weg zusammen gegangen.

Allen Daheimgebliebenen, die uns in irgendeiner Weise geholfen und unterstützt haben, möchten wir an dieser Stelle ganz herzlich danken!!! Sie haben uns mit Ihrer Unterstützung eine unvergessliche Woche ermöglicht – sei es durch Ihre Spenden (besonders erwähnen möchten wir das Reisebüro Globusreisen, welches uns sämtliche Bearbeitungsgebühren erlassen hat), sei es durch Ihre Gebete, durch Ihr Mitfiebern, durch Mithilfe bei der Vorbereitung oder bei der Errichtung dieses Blogs, etc., etc. DANKE!

Nadia Miriam Keller

25. Februar: erwartungsvoll starten wir unsere Reise nach Athen


Samstag, 4. März 2017

Heimreise!

 

 

 

 

 

 

 

 

Dieses T-Shirt ist uns diese Woche immer wieder begegnet (einpacken, auspacken, umpacken…) und hat uns zum „philosophieren“ angeregt. 😉

La vida es un chollo = das Leben ist ein Lollipop

Hier die zusammengetragenen Gedanken (immer in Parallele zum Leben):
– der Lolli ist manchmal süss, manchmal aber auch hart.
– Manche Leute schätzen ihn, manche werfen ihn weg.
– Manche lieben den Lollipop, manche mögen ihn nicht.
– Die Qualität des Inhalts ist sehr unterschiedlich.
– Manche Leute reagieren negativ auf schlechte Inhalte.
– Manche Leute lassen den Lolli liegen, bis er verdirbt.
– Die Vielfalt der Farben und Geschmacksrichtungen sind undefinit.
– Bei Gier schwindet er schnell; man realisiert gar nicht wie schnell er weg ist ; man verpasst den genussvollen Moment.
– Wenn man ihn fallen lässt, zerbricht er. (Doch auch die zerbrochenen Stücke kann man gebrauchen und geniessen …oder liegen und zertrampeln lassen.)
– Manchmal klebt Dreck dran. Ein bisschen Dreck, härtet ggf. ab und zu viel macht krank.
– Es werden Lieder dazu geschrieben.

Und was hat der Stängel für einen tieferen Sinn?
– nicht alles macht Sinn im Leben.
– Manchmal versteht man den Sinn nicht.
– Am Ende bleibt der Stängel übrig.
– Durch den Stängel hinterlässt der Lolli bleibende Spuren

Die Gedanken wurden immer weiter gesponnen. Alles festzuhalten würde den Bloggrahmen jedoch sprengen. 😉 Fazit: Practica el arte de no amargarse la vida = praktiziere die Kunst das Leben nicht zu verbittern.


Freitag, 3. März 2017

Am unserem letzten Tag gab es einen weiteren Strategiewechsel für unsere Arbeit. Nachdem wir alle Schachteln für den Transport vorbereitet haben, wurde entschieden, dass wir die Kleider nach Sommer und Winterkleidung sortieren werden. Danach haben wir nur die Winterkleidung in ein Lager in Athen gebracht, da wir in Griechenland bereits T-Shirt Wetter geniessen dürfen. Dank einer hervorragend funktionierenden Menschenkette waren wir sehr schnell beim ein und ausladen des Trucks. Für den Nachmittag hatten wir eine Suppe um den Obdachlosen und Drogensüchtigen im Park zu verteilen.

Als wir alle in der Wohnung zurück waren, haben wir uns mit der Familie von Pablo zum gemeinsamen Gebet und zum singen getroffen. Anschliessend hat Pablos Vater uns seine Lebensgeschichte erzählt. Diese war sehr eindrücklich. Nach einer Jugend mit Drogen und einer langen Abhängigkeit fand er für sich zu Gott und hat von da an anderen Drogensüchtigen geholfen. Christophe

Donnerstag, 2. März 2017

Heute geht es (aus bekannten Gründen) ans Aufräumen der Kleiderkisten, damit diese vorübergehend abtransportiert werden können. Entmutig von der scheinbar nicht kleiner werdenden Anzahl Kisten beschliessen wir, die Arbeit ruhen zu lassen und morgen fortzufahren. Am Nachmittag gehen wir wieder in den Park um dort ein wenig Tee und Freude zu verteilen. Nach diesem ereignisvollen Tag gehen wir nach Hause wo wir vor der Hercules(weil griechisch)-Aufgabe stehen, zu kochen. Dank unser Leidenschaft zum Kochen können wir dennoch ein leckeres Essen geniessen. Da nun noch der Abwasch bevorsteht müssen wir uns nun verabschieden. Gute Nacht.

Cédric


Mittwoch, 1. März 2017

Ich sitze auf einem kalten Stein. Den Kopf in den Händen begraben. Ich bin in einem Flüchtlingscamp als Helfer. Ich sehe die Leute, die alles verlassen mussten. Die ihr zu Hause zurückgelassen haben mit der Hoffnung auf ein neues besseres Leben. Sie sind jetzt in diesem Camp. Sie haben keine Ahnung wie es weitergeht. Sie haben schreckliches durchlebt, viel zu viel verloren. In ihnen herrscht ein Chaos. Sie sind durchmischt vom Trauer, Wut, Enttäuschung, Ungewissheit, Hoffnung, Erleichterung. Sie haben schon einen unglaublich langen Weg hinter sich und trotzdem sind sie noch Meilen weit vom Ziel entfernt und wieder einmal frage ich mich: Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Wieso sind wir Menschen so schrecklich, dass wir uns gegenseitig bekämpfen? Wieso führen wir Krieg und tragen so viel Wut und Hass mit uns herum? Plötzlich spüre ich wie sich eine kleine, warme Hand in meine schiebt. Als ich meinen Kopf heben, sehe ich ein Mädchen vor mir. Es hat gestern mit vielen anderen Kindern und uns gespielt. Als ich sie anschauen, legt sie den Kopf schräg und fragt mich: why are you sad? Ich sehe sie an und weis einen Moment lang nicht, was ich sagen soll. Ihre Augen funkeln und Strahlen und da ich nicht antworte zieht sie an meiner Hand und sagt: come and catch me, in you can! … und rennt lachend von mir weg. Ich stehe langsam auf und renne ihr hinterher. Und wieder einmal staune ich über diese Kinder. Sie sind unglaublich besonders. Sie haben in ihrem kurzen Leben schon so viel erlebt. Ihr Leben wurde schon von den dunkelsten Schatten überzogen. Ihre Wurzeln wurden entrissen, bevor sie sich richtig verankern konnten. Auch wenn sie vielleicht nicht immer alles verstanden haben, haben sie es gespürt, die Angst, die Panik, die Verzweiflung, aber auch die Hoffnung. Und trotzdem strahlen und leuchten sie, wie die hellsten Sterne. Sie spielen, sie lachen, sie kämpfen. Sie sind voller Lebensfreude. Und diese Lebensfreude teilen Sie mit Allen und jedem. So oft denke ich, wir sollten uns Kinder viel mehr als Vorbild nehmen. Ihre Art einfach von Tag zu Tag zu leben und versuchen aus jedem das Beste zu machen. Und wie dieses Mädchen, einfach auf fremde Menschen zu gehen und ihnen versuchen zu helfen. Vielleicht sollten wir versuchen diese vielen kostbaren Seiten des Kindseins nie ganz zu verlieren. Denn sie hindert uns daran andere zu verurteilen oder als etwas schlechtes anzusehen. Sie führt uns dazu, dass wir uns alle als gleich ansehen. Vielleicht würde Liebe und Zuneigung den Hass und die Wut ein bisschen verdrängen. Vielleicht würde es die Welt ein kleines bisschen besser machen. Nivina

Zuhause angekommen bereitete ein Teil der Gruppe den Tee für den Nachmittag vor und der andere Teil kochte das Mittagessen. Nach dem leckeren Essen und einer kleinen Pause ging es in den Park zu den Drogenabhängigen. Dort verteilten wir den ganzen Nachmittag Tee und Kekse. Es war sehr schön zu sehen, wie sich alle darüber freuten und wie dankbar sie waren. Mit einigen konnten wir sehr spannende Gespräche führen und wir hatten alle einen prägenden Einblick in eine Welt, die uns sonst eher unbekannt ist, und es hat uns die Augen ein Stück weiter geöffnet. Nivina

Heute Nacht wurde im Gebäude von Remar auf dem Camp eingebrochen. Offenbar genügte einigen Flüchtlingen nicht, was wir ihnen gaben. Nach Einbezug des Ministeriums hat Remar beschlossen, die Räumlichkeiten zu schliessen und das Camp zu verlassen. Ob das nur für heute ist und wie es weitergeht wissen wir noch nicht. Heute Nachmittag werden wir statt den Flüchtlingen, den Drogensüchtigen von Athen die Suppe verteilen.

Unsere momentane Gefühlslage: traurig, enttäuscht, gespannt auf das Weitere, wütend, verwirrt, Hoffnung, dass sie daraus etwas lernen, frustriert, zwiespältig…

Ein paar Infos zum Camp: Es ist ein Camp in welchem nur Personen aus Afghanistan leben (mit Ausnahme von 4 Eritreern). Zurzeit leben ca. 700 Personen darin – meist Familien mit mehreren Kindern. Das Camp wird vom griechischen Militär geführt, daneben gibt es aber auch mehrere Organisationen, die mithelfen (IOM, UNHCR, Remar etc.) Seit Ende Dezember leben die Leute nicht mehr in Zelten, sondern in Containern, welche auch beheizbar sind und ein eigenes Bad und eine kleine Küchenzeile haben. Seither hat sich die Situation für alle stark verbessert. Da es bei Afghanen schnell zu Ausschreitungen kommt und sie oft ihre Probleme mit Gewalt lösen, ist es schwierig, sie in Camps mit anderen Völkern zu mischen. Die meisten sprechen englisch – auch die Kinder. Alle besitzen einen Flüchtlingsausweis und dürfen das Camp auch verlassen, z. B. für einen Arztbesuch, zum Einkaufen etc. Viele träumen von einer Zukunft in Deutschland oder sonst einem westlichen Land.


Dienstag, 28. Februar 2017

Während die eine Gruppe mit Buttermesser das Gemüse für die Suppe rüstete, entfernte die andere die Graffitis von den Wänden, auch beim Kleiderlager ging die Ordnung weiter voran. Schöne Grüsse Sebastian


Montag, 27. Februar 2017

Heute fing der Tag nicht wie geplant um 7:30 Uhr an, sondern, auf Grund eines Feiertags in Griechenland, um 7:00 Uhr. Um 9:00 Uhr ging es los mit Kartoffelschälen – ganz viel Kartoffelschälen. An sich kein Problem, hätte es nur genügen Sparschäler und Messer. Ausgerüstet mit Buttermesser waren wir dann zum Glück nach einer Stunde fertig. Danach ging es zu den üblichen Jobs wie Suppe kochen, Tee einschenken, Kleidung und Schuhe verteilen und Kinder betreuen. Ein Highlight für die Kinder waren Drachen, die sie im Wind steigen lassen durften. Nach dem Mittagessen arbeitete eine Gruppe wie vorhin weiter, die andere fuhr mit Pablo wieder in die Unterkunft zurück. Nach einem anstrengenden Tag teilten wir unsere Gedanken und Eindrücke zu den ersten beiden Tage im Flüchtlingscamp. Eileen


Sonntag, 26. Februar 2017

Da heute Sonntag ist, hatten wir früher Feierabend und nutzen diese Freizeit, um Athen ein bisschen zu erkunden. Herzliche Grüsse von uns allen mitten aus Athen … die Acropolis im Rücken 🙂

1. Arbeitstag: nach Gemüserüsten, Wasser holen, Suppe kochen, putzen, Kleiderverteilung, nach dem Spielen mit den Kindern, sind wir nun beim wohlverdienten Mittagessen. Die Stimmung ist immer noch gut. Seit Ende Jahr wohnen die Flüchtlinge nicht mehr in Zelten, sondern in beheizbaren Containern. Darüber sind alle froh.


Samstag, 25. Februar 2017

Wir sind gut in Athen gelandet und wurden auch pünktlich abgeholt. Die Unterkunft ist noch etwas gewöhnungsbedürftig, aber irgendwann schläft jeder 😉

Wir sind startbereit am Bahnhof Basel. Vorfreude mischt sich mit der Ungewissheit, was uns erwarten wird. Die Stimmung ist (noch) hervorragend. Wir melden uns wieder!