Vom Osterfeuer zu “Feuer und Flamme”

Das bevorstehende Pfingstfest, das als “Geburtsstunde” der Kirche gilt, mag zwiespältig erscheinen, vor allem weil die Kirche momentan eine schwere Zeit erlebt. Es scheint, dass dem Leib Christi heute eine Feuertaufe auferlegt ist. Lähmungserscheinungen an vielen Fronten und Ernüchterungen sind unverkennbar spürbar. Das Pfingstfest würden manche heutige Christen eher mit Klageliedern feiern. Was ist aus der durch den Geist verliehenen Lebendigkeit übriggeblieben? Andersrum darf das Pfingstfest in der Zerrissenheit unserer Welt als Anfrage an uns verstanden werden. Viele Ereignisse lassen die Welt und die Kirche als geistlos erscheinen. Aber eine Welt, ein Leben, eine Gemeinschaft, die “geistlos” wird, kann nicht mehr recht leben, lieben, ist nicht mehr begeisterungsfähig, und wird sicherlich veröden. Eine “geistlose” Welt kennt nur noch sich selbst, die eigene Logik, und sie läuft Gefahr, darin zu ersticken. Grund genug, sich danach zu sehnen, das Pfingstfest zu feiern, heute erst recht. Denn in jeder Feier können die Feiernden, aus dem ihnen innewohnenden Lebensbrunnen schöpfen. Die Glut, das Feuer von Pfingsten bricht Erkaltetes, Gelähmtes, Verängstigtes auf und lässt Neues aufblühen. Darum feiern wir die erneute Ausgiessung jenes Geistes, die sich in Feuerzungen auf die Jünger Jesu herabsetzte. Die Nacht der Passion, die Enttäuschung, der Verrat, hat sie gelähmt und der Geist hat sie aus dieser Lähmung befreit und zu unerschrockenen Zeugen des Auferstandenen gemacht. Auch wir Gläubigen dürfen uns von diesem Geist getragen wissen. Der Geist möge verbrennen, was uns daran hindert, aus der Fülle zu leben. Wir wünschen einander die Erleuchtung durch das Feuer, das wir in der Osternacht erleben durften. Komm, heiliger Geist, strahle hinein in die unruhige Zeit der Kirche und der Welt und bringe deine erlösende Klarheit.

Pfr. Sylvester Ihuoma