Worte der Ermutigung

«Bilder, die uns hoffen lassen»

Liebe Pfarreiangehörige,
Seit ein paar Wochen machen wir alle eine grenzwertige Erfahrung: Ein Virus bedroht alles, was uns wichtig ist. Gefährdet sind unsere Gesundheit, Arbeitsplätze, das Miteinander im Sozialem wie im Religiösen, unsere Freiheit und unser Wohlbefinden. Aufgrund dessen fühlen sich viele verunsichert, einsam und unwohl. Weil wir Menschen sind, tritt oft lähmende Angst ein. Dazu kommen das grössere Leid und der Hilfeschrei unzähliger Erkrankten und Isolierten. Das Bild ist noch erschreckender an vielen anderen Orten unserer Welt. Von dort wird berichtet, wie das Unvorstellbare schon zum Alltag geworden ist: Viele sterben einen einsamen Tod, also ohne den Beistand ihrer Lieben. Wie schrecklich, diese reale Erfahrung von Verlassenheit! Mein Gott, mein Gott, warum … (Ps 22).

Welch ein Schmerz bei den Angehörigen, die nicht einmal in angemessener Weise Abschied nehmen dürfen! Es erinnert uns an das unsägliche Leid jener Kinder, die in Kriegsgebieten und in von Dürre verwüsteten Ländern in den Armen ihrer Mütter sterben; oder an das Schicksal von Geflüchteten aus Kriegsgebieten, die –  ausgebeutet, erschöpft, ausgehungert – in den Wüsten Afrikas sterben und von der Hitze mumifiziert werden. Ein unerträgliches Bild!  Zweifelsohne wird uns als Menschheitsfamilie einiges zugemutet, nicht nur jetzt, sondern immer wieder in der Geschichte der Menschheit. Nicht nur die Sonne und der Tag, sondern auch die Nacht und das Dunkel machen unser Menschenleben aus.

Jedes Mal finden wir uns in den Worten des Psalmisten wieder:

«Ich bin hingeschüttet wie Wasser,

gelöst haben sich all meine Glieder.

Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.

Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe,

meine Zunge klebt mir am Gaumen,

du legst mich in den Staub des Todes.

Eine Rotte von Bösen umkreist mich.

Sie durchbohren mir Hände und Füsse.» Ps 22, 15-17

Angesichts dieser schmerzhaften, nahezu ohnmächtigen Erfahrung und der herausfordernden Bilder des Schreckens dürfen wir uns Bilder der Hoffnung nicht vorenthalten. Die Erfahrung der Jünger, die in Seenot geraten waren, könnte Zuversicht hervorrufen. Hier zeigt sich unmissverständlich: Der Hilfeschrei wird nicht überhört. Im Gegenteil: Hilfe und Bestärkung werden zuteil, Stille tritt wieder ein, Licht erfüllt das Dunkel. Tröstlich. Ein gegenwärtiges Bild hat es in sich, unvergesslich, imponierend: Papst Franziskus, ganz allein auf dem normalerweise übervollen Petersplatz in Rom, unter Dauerregen, allein, einsam vor dem Kreuz – einem wundertätigen Kreuz aus dem 15 Jh., das während der grossen Seuche im Jahr 1552 durch Rom getragen worden war. Der Papst steht neben den Kolonnaden, betet und fleht stellvertretend für alle (urbi et orbi). Eine Geste der zuversichtlichen Hinwendung zu Gott, den Retter in Not! «Von wo kommt mir Hilfe, meine Hilfe kommt vom Herrn» (Ps. 121). Der Papst vereint uns im innigen Gebet. Diese herausfordernde Leere verweist auf den gelähmten Leib Christi, die gelähmte Menschheit, steht jedoch nicht einfach einem toten Stück Holz gegenüber! Auch wenn dieses Stück Holz uns an die gesamte leidende Menschheit erinnert und sie vergegenwärtigt, für deren Heil Jesus sein Leben hingab, ist es auch, weil durchleuchtet von der Auferstehung, das Zeichen der Hoffnung per excellence mitten im Leid. Es ist das Sinnbild einer Lebenshingabe in Solidarität mit jedem leidenden Menschen, das Zeugnis eines Lebens aus intimer Gottverbundenheit, aus einem tiefen Gottvertrauen heraus. Es leuchtet umso mehr, wenn die Angst grösser, das Leid unerträglicher wird und die Krankheit die Menschheit in Atem hält. Ermutigt dürfen wir auf den Gekreuzigten blicken, der unsere Krankheit, unser Kreuz getragen hat, sich mit uns solidarisiert in all unserem Leiden, gestern, heute und morgen. (vgl. Hebr 4); In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine bestärkende Besinnung auf noch viele Ihnen vertraute Bilder der Hoffnung, wovon unsere Heilige Schrift reichlich Zeugnis gibt. Mögen Sie beim Hören der Worte, die Gottes Treue bezeugen, zuversichtlich Ihr Leben in Gottes bergende, fürsorgende Hände übergeben und in seiner liebevollen Umarmung sich geborgen fühlen, bis der heftige Sturm vorüber ist. Möge unser Leben auch in dieser Zeit von Zuversicht geprägt sein. Silja Walter schreibt: «Jeden Tag, beim Erwachen, kann ich Gott also noch mit geschlossenen Augen fragen: ‘was sagst du mir heute?’ Ich weiss schon vom vornherein was: ‘Fürchte dich nicht’ sagt er.» Sylvester Ihuoma, Pfarradministrator

Die Osterfreude auskosten


Lange bereiten wir uns in der Regel auf grosse Feste vor. Ich erinnere mich an meinen letzten runden Geburtstag. Mit Eifer habe ich mir Wochen vorher Gedanken gemacht, wie ich meine Gäste bewirten will. Ganz zu schweigen von Hochzeiten, deren Vorbreitungen Monate, manchmal ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen. Dann: der Festtag und alles ist wieder Geschichte.

Vier Wochen Advent bereiten uns auf Weihnachten vor. Nach dem 6. Januar werden an vielen Orten die Krippe und der Christbaum abgebaut. „Ich bin froh, dass es wieder vorbei ist“, hört man allenthalben, „es war schon eine anstrengende Zeit.“ Fasnachtsküechli und Fastenwaie finden sich bereits am 27. Dezember in den Geschäften.

40 Tage bereiten wir uns in der österlichen Busszeit – der Fastenzeit – auf das Osterfest vor. Bereits am Osterdienstag gibt es die Schoggihasen mit bis zu 75% Rabatt zu kaufen. Wir kehren zurück in den Alltag nach den heiligen Tagen. Ostern ist wieder vorbei für dieses Jahr.

Ich habe nie verstanden, warum das Auskosten der grossen christlichen Feste nicht mehr Eingang findet in den Alltag der Christen und Christinnen (man kann ja trotzdem einen rabattierten Schoggiosterhasen kaufen). Eigentlich dauern die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar und die Osterzeit bis Pfingsten.

Uns sind jetzt 50 Tage geschenkt, die Osterfreude so richtig auszukosten! 50 Freudentage, an denen das österliche Halleluja erklingen darf – auch in unseren Stuben. Es sind erst wenige Tage vorbei, es bleiben also noch viele. Freut euch und jubelt!

Sibylle Hardegger, Pfarreiseelsorgerin

Auferstehung

… ist ein grosses Wort. Doch es geschieht ganz konkret, in unserem Alltag. Jedes Mal, wenn uns das Herz aufgeht: wenn wir zum Beispiel am Telefon die Stimme eines lieben Menschen hören, wenn wir die Blütenpracht vor unserem Fenster bestaunen, wenn wir dem Nachbarn eine Freude machen können … Auch nach Ostern ist die Welt von der Corona-Krise geprägt. Ist alles beim Alten geblieben, oder hat sich doch etwas verändert? Entscheidend ist, wie wir in der Welt unterwegs sind, ob wir glauben, dass Jesus, der Auferstandene, mit uns geht. Wie damals mit den Jüngern von Emmaus.

Mit dem Gedicht von Marie-Louise Kaschnitz wünsche ich Ihnen eine gesegnete Osterzeit
Josef-Anton Willa

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken.
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Aus einer Liturgie der Iona Community, Schottland
(nach einem Bekenntnis aus Südafrika)

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Es ist nicht wahr, dass diese Welt und ihre Bewohner dazu bestimmt sind zu sterben und verloren zu gehen. Dies ist wahr: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

Es ist nicht wahr, dass wir Unmenschlichkeit und Diskriminierung akzeptieren müssen, Hunger und Armut, Tod und Zerstörung. Dies ist wahr: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

Es ist nicht wahr, dass Gewalt und Hass das letzte Wort haben sollen und dass Krieg und Zerstörung ewig bleiben sollen. Dies ist wahr: Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seine Schulter gelegt und sein Name ist Fürst des Friedens.

Es ist nicht wahr, dass wir nur Opfer der Gewalt des Bösen sind, das diese Welt zu regieren sucht. Dies ist wahr: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Es ist nicht wahr, dass wir auf die warten müssen, die speziell begabt sind und die Propheten der Kirche sind, bevor wir etwas tun können. Dies ist wahr: Ich werde meinen Geist ausgiessen über alle. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben und eure Jungen haben Visionen.

Es ist nicht wahr, dass unsere Träume von der Befreiung der Menschheit, unserer Träume von Gerechtigkeit, von Menschenwürde und von Frieden nicht für diese Welt und Geschichte gemeint sind. Dies ist wahr: Die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit.

Gebet

Lebendiger, liebender Gott, Du freust dich an deiner Schöpfung, und wir preisen dich.

Mit Erde, Luft, Wasser, Feuer, in unserem Element als deine Kinder preisen wir dich.

Mit unseren Lippen, mit unseren Leben, in all unserer Unterschiedlichkeit, jede und jeder in deinem Abbild geschaffen, preisen wir dich.

Weil du in Jesus gekommen bist, um unsere menschlichen Leben, unserer Sorgen und Freuden mit uns zu teilen, preisen wir dich.

Weil deine Geistkraft heute am Wirken ist, uns ermutigt, ermächtigt und überrascht, preisen wir dich.

Arm wie wir sind, du gibst uns Hoffnung. Du gibst uns unseren Wert und unsere Bestimmung

und wir preisen dich.

Amen

«Wäre das Wort «Danke» das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen.» (Meister Eckhart)

  1. Vieles lese ich in der aktuellen Zeit, viele Gespräche beschäftigen mich.
    Drei Gedanken machen sich fest in mir:
    Wir sitzen nicht im gleichen Boot, aber wir sind im gleichen Sturm. Die Empfindungen sind – wie schon oft vor Corona – so verschieden wie die Menschen, ihre Lebensgeschichten, ihre Lebenssituationen. Menschen wachsen oder zerbrechen an den äusseren Umständen.
  2. Was ist Leben? Was macht mein Leben lebendig, lebenswert? Wer bin ich, wenn ich nicht viel tun kann?
  3. Und: Wie kann ich ohne die Gemeinschaft beten und feiern?

Mit einer Aussage von Meister Eckhart bin ich meinen Fragen nähergekommen.: «Wäre das Wort «Danke» das einzige Gebet, das du je sprichst, so würde es genügen.»

Dankbarkeit ist meiner Ansicht nach der Schlüssel zu meinen persönlichen Fragen und Dankbarkeit ist zutiefst religiös. Dankbarkeit verbindet, schafft wieder Beziehung zu mir selbst, aber auch zum Gegenüber, zur Natur und zu Gott, macht lebendig, wo ich erstarrt, versteinert, verhärtet bin, wenn ich mich verrannt habe, in einer realen, aber auch emotionalen Sackgasse bin.

In den letzten Tagen habe ich mir morgens ein Müsli gemacht und da hat sich mich überflutet – die Dankbarkeit für die Früchte, meine Familie, das Dach über dem Kopf.
Wenn ich dankbar bin, spüre ich, was alles geschenkt ist auf dieser Welt, in meinem eigenen Leben, was nicht ich bewirkt habe durch meine ach so intensive Anstrengung, was einfach ist. Wer dankbar ist, kann nicht unglücklich sein. David Steindl-Rast schreibt dazu: «(Der dankbare Mensch) weiss, dass er in Verbindung ist mit anderen, einbezogen in ein Netzwerk von Geben und Nehmen, dass er zu anderen zugehörig ist. Und er sagt Ja dazu: Dieses Ja ist das Wesen der Liebe.» Und so kann ich bei Ostern, in der Osterzeit sein: Dort erlebe ich die ganze Liebe dieses Jesus von Nazareth, der durch sein Dasein, Wirken, sein «sich-Geben» und Sterben eine Botschaft in die Welt geben konnte, die lebendig geblieben ist: dass wir geliebt sind über den Tod hinaus, begleitet und getröstet alle Tage unseres Lebens.

Ostern ist Befreiung.
Befreiung von unseren eigenen
Erwartungen und Wünschen.
So viel Leiden entstehen,
weil wir ein Bild davon haben,
wie etwas gerecht und gut ist.
Vielleicht haben wir auch oft «recht».
Doch genau darin sind wir dann gefangen.

Befreit bist du erst,
wenn du unabhängig bist
von deinen Wünschen.
Frei von den eigenen und fremden Erwartungen.
«Gott allein kann genügen»,
sagt Theresia von Avila.
Ostern ist Befreiung.

Rita Hagenbach

Was würden Sie tun, wenn…

.. Sie wüssten, Sie hätten nur noch wenige Tage zu leben? Wie würden Sie die verbleibende Zeit verbringen wollen?

Ich möchte Ihnen zu diesen Fragen gerne von einem Gespräch erzählen, das vor über 10 Jahren stattfand. Ich war damals anfangs 20ig. Niemand hätte mir zu dieser Zeit wohl voraussagen können, dass ich irgendeinmal Religion als Studium und Beruf wählen würde. Gewisse Themen, die heute gerade durch meinen Beruf so selbstverständlich zu mir gehören, waren damals Neuland für mich, manche sogar ein Tabu aus lauter Angst und Unwissenheit: dazu gehörte auch das Thema «Tod».

So kam es in einer Kaffeepause tatsächlich mal zu diesem Thema. Meine damalige Arbeitskollegin erzählte mir von ihrer Beziehung zu ihrem Vater. Es schien sich, um eine Bilderbuch Tochter-Vater-Beziehung zu handeln. Innig, tief, ein Zweiergespann wie kein anderes. Dann kam, durch eine Krankheit bedingt, der plötzliche Tod des Vaters. An dieser Stelle war ich innerlich schon vor lauter Trauer zerrissen. Bei jedem Wort stellte ich mir vor, wie es ist, den liebsten Menschen auf Erden loslassen zu müssen. Aber dann kam dieser Satz, der mir so etwas wie Hoffnung schenkte.

Sie sagte: «Natürlich tat es weh als er starb, doch die Zeit vorher, die wir miteinander verbracht hatten, konnte den Trennungsschmerz lindern. Was ich mit meinem Vater erlebt hatte, war so innig, das konnte mir der Tod nicht wegnehmen.»

Zu meiner Frage ganz am Anfang: Wenn ich nur wenige Tage zu leben hätte, was würde ich tun? Vielleicht würde ich mir wünschen, die verbleibende Zeit so bewusst und intensiv wie möglich zu gestalten. Was ist das Wesentlich im Leben?

In wenigen Tagen feiern wir Christi Himmelfahrt. Die Texte aus den Evangelien, die uns in dieser Zeit begleiten, schildern ebenfalls von einer Intensität des Lebens in den letzten Atemzügen. Jesus erscheint nach seiner Auferstehung den Jüngern immer wieder. Er bereitet die Jünger auf die Zeit vor, in der er nicht mehr da sein würde. Die Jünger erleben noch einmal eine intensive Zeit mit ihrem Freund Jesus. Anders als vorher, doch intensiv. Am letzten Tag verabschiedet sich Jesus schliesslich mit dem Satz: «Siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.»

Jesus verspricht ihnen kein glückliches, gesundes und langes Leben. Er sagt ihnen lediglich: Ich bin bei euch!

Ich glaube daran, dass dieses Versprechen auch uns heute noch gilt.

Ich glaube daran, dass es sogar mein Leben und meinen Alltag, mein Denken und Handeln verändert, wenn ich jeden Morgen aufstehe und mich an dieses Versprechen erinnere: es mag kommen, was will – doch du Jesus bist bei mir.

Wie wäre es also, wenn wir versuchen würden, jeden Tag bewusst und intensiv zu leben? Aufzustehen und den Tag begrüssen, ihn anzunehmen mit dem Wissen darum, dass es keine perfekten Tage gibt, sondern nur Tage, in denen Jesus mit uns geht – komme was wolle!

Sonja Lofaro, Religionspädagogin